Klare Sieger beim zweiten Anlauf

Nicole Egger und Sium Zerehannes heissen die Sieger des 2. Mizuno-Städtlilaufs in Wangen an der Aare. Während der Eritreer die letztjährige Bestmarke um eine halbe Minute verpasste, senkte Egger den Streckenrekord von Betty Chepkwony um eine ganze Minute.

Wetterglück, eine tolle Atmosphäre und starke Zeiten prägten die 2. Auflage des Mizuno-Städtlilaufs in Wangen. Unter den 656 Finishern waren auch ein paar prominente Namen auszumachen. Etwa die frühere Kunstturn-Europameisterin Ariella Käslin, welche sich wie schon im letzten Jahr auf die attraktiven 10 km rund um das Aarestädtchen machte und deutlich unter 50 Minuten blieb. Oder der Bobfahrer Rico Peter mit seinem Anschieber Simon Friedli. Die beiden WM-Bronzemedaillengewinner bewiesen, dass sie nicht nur über viel Schnellkraft, sondern auch eine gute Portion Ausdauer verfügen und legten die 5 Kilometer lange Kurzstrecke innert gut 25 Minuten zurück. „Wir haben alles gegeben für unseren Sponsor“, grinste Peter im Ziel, sichtlich ausser Puste. Auf Einladung von Mizuno hatten die beiden Wintersportler den Lauf besucht – und sie könnten sich eine Rückkehr im nächsten Jahr durchaus vorstellen. „Dann würden wir das Ganze aber deutlich weniger schnell angehen“, so Peter, „obwohl wir zu zweit einen guten Rhythmus gelaufen sind.“

Der bekannteste Name in der Hauptkategorie war zweifelsohne Samuel Hürzeler. Seines Zeichens früherer Gigathlon-Gewinner und zudem dreimal Schnellster beim anspruchsvollen Inferno Triathlon von Thun auf das Schilthorn, verpasste er das Podest in Wangen schliesslich nur um knapp eine Minute. „Mit der Zeit bin ich sehr zufrieden“, meinte der Thuner, wohlwissend, dass die Distanz für seine Verhältnisse zu kurz war für einen Spitzenplatz. Zwar ist das Laufen im Triathlon die letzte und gleichzeitig wichtigste Disziplin, und doch „ist der Marathon innerhalb eines Ironmans etwas ganz anderes.“

Vor einem Monat hatte Hürzeler in Texas seinen letzten Wettkampf bestritten, ehe er vor einer Woche das Training wieder so richtig aufgenommen hatte und den Städtlilauf als schnelles Training in die Vorbereitung für einen Halbironman in Schweden im Juli einbinden konnte. Er liebe Wettkämpfe am Freitagabend, so Hürzeler: „Zudem wusste ich, dass einige starke Läufer am Start stehen würden. Die haben mich quasi mitgezogen, womit ich eine willkommene harte Trainingseinheit absolvieren konnte.“

So lagen in der Endabrechnung sechs Läufer vor Hürzeler. Unter ihnen der vierfache Paralympics-Teilnehmer Christoph Sommer (Utzenstorf), welcher die Schweiz auch in Rio im September wieder vertreten wird, oder Sium Zerehannes. Im letzten Jahr noch vom überlegenen Sieger Patrick Kiplagat auf Rang 2 verwiesen, war der Tagessieg des Eritreers in diesem Jahr ungefährdet. Der 25-Jährige lief von Anfang an sein hohes Tempo, gewann den Sprint nach 500 Metern souverän und siegte nach zehn Kilometern mit gut einer Minute Vorsprung auf den Oberdörfer Nils Makos.

„Ich bin rundum zufrieden“, so Zerehannes, der sich eigentlich den Streckenrekord zum Ziel gesetzt hatte. „Vielleicht hat dazu heute die Konkurrenz gefehlt, zudem waren gewisse Passagen nicht einfach zu laufen wegen des vielen Regens.“ Obwohl er zuletzt viel Zeit in den Abschluss seiner Logistiker-Lehre hatte investieren müssen, verbesserte Zerehannes diesen Frühling seine Bestzeit über 800 Meter um drei Sekunden auf 1:55 Minuten und wird so den TV Olten Ende Juli an den Schweizer Meisterschaften in Genf vertreten können.

Überlegene Siegerin bei den Frauen wurde die Langenthalerin Nicole Egger. Vor zwei Jahren erst hat die 31-Jährige mit Laufsport begonnen, und schon knackte sie den Streckenrekord beim Städtlilauf in Wangen. Und wie: Mit 38:05 blieb sie gleich eine Minute unter der letztjährigen Bestmarke von Betty Chepkwony (Ken) und gleichzeitig mehr als zwei Minuten unter ihrem Wert von 2015. „Ich wollte den Lauf unbedingt absolvieren“, wand die Siegerin den Organisatoren für die tolle Strecke ein Kränzchen. Und dies, obwohl die Athletin der LV Langenthal heute Samstag an den Schweizer Meisterschaften über zehn Kilometer startet. „Da werde ich keine Chance haben gegen diese Konkurrenz“, so Egger. In Wangen sah das ein wenig anders aus.